Überaktive Blase

Bei einer überaktiven Blase (früher Reizblase genannt) versteht man eine funktionelle Störung der Blasenfunktion ohne organpathologischen Befund. Ständiger Harndrang und häufiges Wasserlassen (Pollakisurie) stehen im Vordergrund. Betroffene müssen unter Umständen in 24 Stunden über 20 Mal auf Toilette, auch nachts. Bei Menschen wo eine Dranginkontinenz vorhanden ist oder nicht, unterscheidet man zwischen einer nassen oder einer trockenen überaktiven Blase.
Die Ursache kann einer Überaktivität und Fehlsteuerung des Blasenmuskels, dem sogenannten Detrusor liegen. Der Muskel, der sich im Normalfall während der Füllungsphase entspannen sollte, damit sich die Blase ausdehne kann, spannt bei Menschen mit überaktiver Blase zur leicht an. Schon bei kleinen Mengen Urin, löst dieser Harndrang aus, der von manchen Betroffenen nicht unterdrückt werden kann.

Die genauen Gründe für die Entstehung einer überaktiven Blase ist unbekannt. Folgende Faktoren können eine überaktive Blase begünstigen:

– Altersbedingte Veränderungen der Harnwege
– Nervosität, Stress oder psychische Belastungen
– Östrogenmangel oder Gebärmuttersenkung bei Frauen
– Prostatavergrößerung bei Männern
– Chronische Verstopfung, Übergewicht oder Schwangerschaft
– Fehltraining der Blase: Häufige oder zu seltene Toilettengänge

In manchen Fällen kann eine überaktive Blase auch regelmäßige tragen einer Windel oder Katheter verursacht werden, wenn der Harndrang öfters ohne zu speichern abgegeben wird. Vor allem Menschen, die aus beruflichen Gründen oder zum Spaß eine Windel tragen, neigen oft sich eine überaktive Blase anzutrainieren. Die Blase wird mit der Zeit kleiner und die Toilettengänge sind häufiger. Durch die überaktive Blase kann es zum Bettnässen oder Harninkontinenz führen.

Um eine entsprechende Therapie einzuleiten ist ein Arztbesuch unumgänglich. Betroffene mit einer leichten Reizblase können selbstständig ein Blasentraining durchführen, z.B. den Harndrang nicht sofort nachgeben Für das Toilettentraining können Pants oder Vorlagen mit Hüftgürtel verwendet werden, diese lassen sich schnell an- und ausziehen. Ein Beckenbodentraining kann die Beschwerden verbessern und die Lebensqualität steigern.
Betroffene, die unter einer starken überaktiven Blase leiden, helfen meist nur Medikamente die auch zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringen. Östrogenhaltige Lokaltherapeutika werden bei Östrogendefizit, Spasmolytika, Alphablocker und trizyklische Antidepressiva verschrieben. Zur weiteren Behandlung kann auch eine psychosomatische Behandlung hilfreich sein. Auf Antibiotika sollte stets vermieden werden.

Bei einer medikamentösen Behandlung der überaktiven Blase werden sogenannte Anticholinergika eingesetzt. Diese blockieren Rezeptoren und können den Harndrang reduzieren. Zur Auswahl stehen Medikamente mit verschieden Wirkstoffen wie Tolterodin (Ditropan®), Trospiumchlorid (Spasmex®) und Darifenacin (Emselex®). Allerdings treten häufig Nebenwirkungen auf wie Ess- und Schlafstörung, Herzrasen, Sehstörung, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung und Erhöhung des Augeninnendrucks.
Die überaktive Blase lässt sich allerdings nur in den seltenen Fällen vollständig heilen. Eine Verbesserung tritt in der Regel nach einigen Wochen ein. Falls die Beschwerden sich trotz aller Maßnahmen nicht verbessern, gibt es operative Möglichkeiten. So kann Botulinumtoxin (Botox) in die Blasenwand gespritzt werden, um den Blasenmuskel teilweise zu lähmen.
Bei einem anderen Eingriff werden Elektroden in die Nervenwurzeln im Kreuzbein eingesetzt. Diese sollen die Blasenaktivität steuern (sakrale Neuromodulation) steuern. Das Einspritzen von Medikamenten in den Blaseninnenraum (EMDA-Therapie, Electro Motive Drug Administration) wird derzeit noch erforscht.

Betroffen können die Symptome der Reizblase mit folgenden Maßnahmen lindern:

Harntreibende Getränke meiden: kohlensäurehaltige Getränke, Apfelsaft, Cola und Alkohol

Reizende Lebensmittel meiden: Zitrusfrüchte, Tomaten, scharfe Gewürze, künstliche Süßstoffe, Aromen und Konservierungsstoffe.

Trinkverhalten ändern: Flüssigkeit gleichmäßig über den Tag verteilt trinken, zum Abend weniger.

Aufs Rauchen verzichten: Das Nikotin stimuliert die Blase und verschlimmert eine Blasenüberaktivität.

Übergewicht reduzieren: Auch Übergewicht kann eine Blasenschwäche begünstigen.

Reden hilft: Rede mit Familie und Arbeitskollegen in einem vertrauten Gespräch offen über deine Blasenschwäche.

Ablenkung: An was Schönes denken, lenkt die Aufmerksamkeit vom Harndrang ab.