Schnuller

Der Schnuller (auch Beruhigungssauger) dient dazu, das Saugbedürfnis von Säuglingen und Kleinkindern zu befriedigen. Dieser wird dem Kind auch gegeben, wenn es schreit oder quengelt. Ein moderner Schnuller besteht im Wesentlichen aus einem Mundteil, welches aus Latex oder Silikon hergestellt ist, und einem Schild, welcher das Verschlucken des Mundteils verhindert. Umgangssprachlich wird der Schnuller auch Nukki genannt.

Nuckeln bei Kindern ist ein natürlicher Vorgang. Der Saugreflex ist angeboren und hat zum Ziel, dass das Kind die Muttermilch saugen kann. Das Saugen formt den Kiefer und ist deshalb in einer frühen Phase für die Gebissentwicklung wichtig. Haben Kinder im Säuglingsalter über das Gestillt werden hinaus ein Lutschbedürfnis, dann ist ein Schnuller besser geeignet als der Daumen. Sollten Kinder mit dem Daumenlutschen anfangen, sollte man ihnen stattdessen einen richtig geformten Schnuller anbieten.

Kieferveränderungen, die vom dicken Daumen als Nuckelalternative kommen, sind gravierender als Kieferveränderungen durch einen Sauger. Der Oberkiefer wird durch den Daumen nach vorn und gleichzeitig der Unterkiefer nach hinten gedrückt. Dadurch kann ein sogenannter Lutschoffener Biss entstehen. Damit ist eine spätere kieferorthopädische Behandlung vorherbestimmt.

Auch gut geformte Schnuller stören die natürliche Gebissentwicklung. Die Zähne, die durchbrechen wollen, drücken den Schnuller ein bisschen zusammen, jedoch verschafft sich der mit Luft gefüllte „Ballon“ des Schnullers Platz, indem er die Zähnchen dabei wieder zurückdrückt. So kann ein Überbiss entstehen, weil die Zähne versuchen, am Schnuller vorbei durchzubrechen. Auch der Kiefer selbst wird dabei verändert und in eine falsche Position gedrückt.

Der Saugreflex sollte nicht über die von der Natur vorgesehene Zeit hinaus verlängert werden. Wenn die ersten Milchzähne durchbrechen, löst der Kaureflex den Saugreflex ab. Wenn die Umstellung auf festere Nahrung erfolgt, sollte der Schnuller langsam abgewöhnt werden. Dies sollte ungefähr um den ersten Geburtstag herum erfolgen. Ggf. kann er durch einen Beißring ersetzt werden, der auch den Zahndurchbruch erleichtert.

Der erste Schnuller wurde mit der Entwicklung der künstlichen Säuglingsernährung in der Zeit um 900 Jahre v. Chr. eingesetzt. Bereits ein Relief aus dieser Zeit zeigt eine Frau aus dem Palast des Königs Sardanapal von Niniveh, wie sie mit einem bauchigen Gefäß und einem Stäbchen einem Kind Nahrung (Milch, Honig, flüssige Butter) in den Mund streicht. Weiterhin ist die Ernährung mit Honig und ähnlichem mittels Tontierchen bekannt, das sind Tongefäße in Tierform, die hinten eine große Öffnung zum Einfüllen der Nahrung hatten und im Bereich der Augen Öffnungen zum Saugen.

In Europa sind Schnuller mindestens schon seit dem Mittelalter bekannt, wie bildliche Darstellungen zeigen. So etwa hält das Jesuskind auf einem Altarbild in der Kirche St. Stephani in Aschersleben aus dem 15. Jahrhundert ein zu einem Beutel zusammengeschnürtes Leinentuch mit einer Füllung, das als Schnuller diente. Diese Lutschbeutel waren als Stoffschnuller vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert verbreitet. Sie wurden gefüllt mit einer gesüßten Masse aus Brot, Zwieback, Mehl, Brei – meist aus Äpfeln oder Möhren – oder sogar Mohnsamen.

Manchmal wurden sie auch in Branntwein getaucht. Solche Lutschbeutel dienten vor allem als Beschäftigung der Kleinkinder und als Ablenkung v. a. in Zeiten der Hungersnot. Auch wirkten sie durststillend. Diese Art von Schnuller spielt auch in der Bildergeschichte Der Schnuller von Wilhelm Busch eine Hauptrolle. Der Schnuller wirkt durch die massierende Wirkung dem Juckreiz beim Zahnen entgegen und half besonders in Zeiten der Hungersnot. Das Reiben am Zahnfleisch sollte beim Zahnen Erleichterung verschaffen. Zu diesem Zweck nutzte man sogar Tierzähne, Knochen, Kristalle oder Elfenbein. Der harte Gegenstand sollte das Zahnfleisch durch dauernden Druck durchscheuern und das unangenehme Jucken besänftigen.

Christian August Struve nannte den Gebrauch des Stoffschnullers „eine der ekelhaftesten Gewohnheiten […] womit man das Kind nähren und beruhigen will.“ Er kritisierte die mangelnde Hygiene, Mundfäulnis mit Ausfall von Zähnen und die Gärung der Nahrungsmittel im Mund.
Der moderne Gummischnuller wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Er bedeutete einen Fortschritt bei der Hygiene. Über die Benutzung als Beruhigungsmittel wurde auf der 76. Versammlung deutscher Ärzte und Naturforscher in Breslau im Jahre 1904 diskutiert. Während sich einige Ärzte gegen jeglichen Gebrauch aussprachen, wollten andere „unter gewissen Bedingungen die Verwendung eines modernen, sauberen Schnullers zugestehen.

Die Firma NUK ist der einzige Hersteller die auch Schnuller für Jugendliche und Erwachsene anbietet. Diese werden auch gerne von Teen und Adult Babys genutzt.
(Quelle: Wikipedia)