Kidults

Kidults steht für die Abkürzung Kid (Kind) und adult (Erwachsener) und beschreibt einen Erwachsenen, der bewusst kindliche oder Kindern zugeordnete Verhaltensweisen, Hobbys oder Vorlieben für Produkte pflegt. Bei Lego hat die erwachsene Zielgruppe sogar den Namen „Adult Fan of Lego“ (erwachsener Lego-Fan).

Gelegentlich wird das Wort auch in umgekehrter Bedeutung verwendet, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher, der sehr früh Verantwortung übernimmt oder andere erwachsenentypische oder Erwachsenen zugerechnete Verhaltensweisen zeigt.

Der Trend steigt kulturlich an, das Erwachsen im Spielwarengeschäft leuchtende Augen bekommen und sich riesig über sein neu gekauftes Produkt freut. Lauter einer Studie der NPD-Group steigen die Spielwarenkäufe von Erwachsenen für den Eigenbedarf um zwei Drittel in den letzten fünf Jahren. Allein für das Jahr 2016 verzeichneten die Marktforscher der NPD-Group einen Anstieg um 21 Prozent. Betrachtet man einzelne Märkte, sind die Kidults in Südkorea besonders kauffreudig. Dort gibt es jährlich mittlerweile eine eigene Messe „Kidult & Hobby Expo“.

Kidults lassen sich in keinen festen Altersbereich eingrenzen. Betrachtet man die Kaufkraft verschiedener Altersgruppen, stehen die Millennials (18-34 Jahre) allerdings für etwa die Hälfte aller „Erwachsenen“ Spielwarenkäufe, gefolgt von der Generation X (35-54 Jahre) mit etwa einem Drittel der Käufe. 18 Prozent der Baby-Boomer Generation (55+ Jahre) kauft Spielzeug für sich selbst. Erwachsene ohne Kinder geben mehr Geld für Spielsachen zur Eigenverwendung aus als Erwachsene mit Kindern, außerdem neigen Sie eher zu Spontankäufen, z.B. wenn Sie sich in der Spielwarenabteilung umschauen.

Die Wissenschaft belegt, das spielen nicht unbedingt kindisch ist – sondern kreativ. Dabei ist es egal, ob sich einem Gesellschaftsspiel, Outdoor-Spielen, anspruchsvollen Baukasten-Projekten oder der detailverliebten Modelleisenbahn zugewandt wird. Einige Erwachsene sehen Spielen als Gegenpol zum Altwerden. Aktiv sein nimmt mit zunehmenden Alter einen hohen Stellenwert ein, und Spaß haben sowieso. Für die einen ist die Beschäftigung mit Spielwaren eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag, für die anderen eine dauerhafte passionierte Freizeitgestaltung. Für diese Art der Freizeitgestaltung wird gerne auch etwas mehr Geld in die Hand genommen.

Männer werden hauptsächlich mit dem Begriff Kidults in Verbindung gebracht. Begründen lässt sich dieses Phänomen kaum, denn schließlich suchen Frauen ebenso wie Männer nach einer ausgleichenden Freizeitgestaltung. Dennoch ist anzunehmen, dass vor allem hochpreisige Spielsachen mit vielen technischen Komponenten hauptsächlich von Männern gekauft werden, und auch von den Herstellern gezielt so vermarktet werden. Modellbau & Hobby sowie Modelleisenbahn gelten als Männerdomäne, aber auch technologische Spielsachen begeistern noch mehrheitlich Männer.

Die steigende Begeisterung Erwachsener für Spielsachen lässt sich sicherlich auch mit dem „Do-It-Yourself“ – Trend begründen, der u.a. ja auch im Baumarkt-Sektor zu finden ist. Doch die Spielzeuge sind nicht nur teurer – sondern auch leistungsstärker wie Märklin und Lego immer aufs neue beweisen. Die Lokomotiven von Märklin sind mittlerweile hochproduzierte Kraftprotze, die sich vor dem Original mit seinen Licht-, Sound- und Raucheffekten nicht verstecken brauchen. Zu seinen Schmuckstücken gehört der legendäre Eisenbahnkran „Goliath“ der früher bei der Deutschen Bahn auf Baustellen und Bergungen im Dienst war. Prominentester Modelleisenbahnbesitzer ist übrigens Horst Seehofer.

Das vor allem Männer gerne mit ferngesteuerten Spielsachen spielen, hat auch schon seit Jahren der dänische Spielwarenhersteller Lego erkannt, neben den riesige Schaufelradbagger und dann den großen Geländekran, hat Lego jüngst einen Mining-Hydraulikbagger vorgestellt der nochmals alle bisherigen erhältlichen Lego-Modellen in den Schatten stellt. Nicht nur an Größe und Teilen, sondern auch an der Funktionalität. Es handelt sich um den größten Hydraulikbagger der Welt, den Liebherr R 9800, der in Minen und im Tagebau eingesetzt wird. Das Modell besteht aus 4.108 Einzelteilen und wird erstmals mit der neuen Fernsteuerung Lego Technic Control+ ausgestattet, die sich per Smarthone programmieren lässt.

Das Männer gerne im Sand spielen beweist die Intermot in Dortmund immer wieder aufs Neue, wenn erwachsene mit ihrem selbstgebauten ferngesteuerten Bagger, Lastwagen und Krane das Publikum stauen lässt und in ihrem Bann zieht. Für Ein RC-Modell muss „Mann“ allerdings schon etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. Solche Modelle kosten locker mehrere 1000 Euro, nach oben offen. Auch sie stehen dem Original recht nahe.

Man muss jedoch nicht unbedingt teure Spielzeuge kaufen, um seinen kindlichen Spieltrieb freien lauf zu lassen. Nochmal einmal auf dem Klettergerüst rumtoben oder Rutschen bis der Arzt kommt, machen Indoor Spielplätze möglich. Manche bieten Abende für Erwachsene an. Männer die lieber mit großen Baufahrzeugen spielen wollen, sind im Bagger-Parks genau richtig. Mit der Planierraupe durchs Gelände pflügen oder den Hydraulikbagger an seine grenzen bringen.

Auch Frauen können sich recht kindlich verhalten, sie beschäftigen sich eher im klassischen Kreativbereich mit Malen, Basteln und Häkeln. Sie verfolgen auch eher Modetrends wie Produkte z.B. aus der Hello Kitty Serie. Prominentes Beispiel ist Ellie Kemper in der US-Serie Unbreakable Kimmy Schmidt. Sie ist ein typisches Beispiel eines Kidults. Sie spielt eine Frau, die von einem Priester in einem Bunker gesperrt wird und nach 15 Jahren mit noch recht kindlichen Augen und Verhaltensweise nun New York erkundet.