ABDL-Szene

Als ABDL-Szene (Windelszene) wird die Szene der Windelfetischisten bezeichnet. ABDL steht für Adult Baby (Erwachsenes Baby) und Diaper Lover (Windelliebhaber). Die Szene entstand in Deutschland im Jahre 1990. Richtig populärer wurde diese mit dem Internetboom erst rund 10 Jahre später und gewann immer mehr Gleichgesinnte. Vor diese Zeit dominierten vor allem Print-Magazine wie BabyGum und BabyDoll den Markt. Damals musste man noch umständlich per Chiffre-Code nach Gleichgesinnten suchen. Das Internet vereinfachte die Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten erheblich. Für die ABDL-Shhhzene hat das Internet einen hohen Stellenwert eingenommen. Anders als in der Schwulen- oder BDSM-szene ist die Windelszene in Deutschland nach wie vor nicht organisiert.

Ohne Communitys ist es heute noch immer sehr schwierig Kontakt zu knüpfen und Freundschaften aufzubauen. Die Urgesteine prägten ABKingdom und BabyDoll. Teilweise auch Windelweb. Obwohl die Zahl der Communitys kontinuierlich ansteigt, musste die Szene auch größere Rückschläge verkraften, wie das Aus von WindelNet. Die Community gehörte in Deutschland zu den größten. Der Trend zum heutigen Blog war damals die eigene private Webseite. Dazu nutzt man gerne den kostenlosen Dienst von Angelfire oder Beepworld.

Den wahren Durchbruch in der ABDL-Szene machte jedoch keine Community, sondern ausgerechnet Yahoo. Mit dem Blogdienst 360 Grad der 2006 eingeführt wurde, konnte man seinen Freundeskreis kontinuierlich aufbauen, pflegen und Treffen vereinbaren. Zudem hatte man die Möglichkeit gehabt, sich im Internet zu präsentieren. Man konnte seine Seite mit einem Blog, Bildergalerien, Kalender und eigenen Forum ausstatten. Yahoo war für uns das damalige Facebook. Durch Yahoo gewann man nicht nur viele Freunde, sondern konnte mit dem Yahoo-Account auch komfortable mit dem Messenger chatten. Drei Jahre später schloss der Internetriese überraschend seinen Blogdienst.
Mit MySpace und Spin war zwar schnell Ersatz auf dem Markt vorhanden, allerdings hielt die Freude nicht lange an, Fetischprofile waren nur geduldet – bis es zur Massenlöschung kam. Für viele war es sehr schmerzhaft, da auch viele hübsche Frauen mit der Windelleidenschaft angemeldet waren. ABDL-Communitys spießen zwar heute wie Sand am Meer, richtig gute lassen sich jedoch an einer Hand abzählen. Der heutige Trend ist neben dem eigenen Blog, natürlich Facebook, Twitter und Instagram.

Der Windelfetisch wird überwiegen von Männern dominiert, Kontakt zu Frauen ist zwar möglich, jedoch die Partnersuche fast aussichtslos. Viele Männer sehen Mädels als reines Wickel- und Sexobjekt an. Die Folge ist, dass sich Frauen immer mehr von der Szene abschotten und mit der besten Freundin oder Freund den Fetisch auslebt. Neben zahlreichen Sex Tubes, existieren zahlreiche Payseiten. BabyDoll, Diapergal und Adultbabysource sind in der Windelszene die wahren Urgesteine, die sich bis heute gut behaupten können.

Die Realität fällt in der ABDL-Szene etwas nüchtern aus, aufgrund der geringen Nachfrage führen Erotikgeschäfte keine Artikel für Windelliebhaber und Adult Babys, obwohl Literatur, Filmen, Magazine, Kleidung bis hin zu Möbeln vorhanden ist. Der kleine Erotikladen in Köln von Maria Koch war nahezu einzigartig in der Windelszene. Leider fand sich für den Erotikladen keinen Nachfolger. Es gab eine Zeit, wo viele Erotikgeschäfte zumindest eine kleine Auswahl angeboten hatte. Aufgrund der geringen Nachfrage haben die meisten Mittlerweile geschlossen. Dies ist vor allem, dem Internet zur Verschulden. Dafür ist eine gute Auswahl an Online-Shops vorhanden.

Auch die Zahl der Lokale lässt sich an einer Hand abzählen. In Deutschland veranstalten drei Fetischlokale ab und zu Abende für Windelträger und große Babys. Dazu gehört der Quälgeist in Berlin und das Drexx in Essen. Allerdings werden Frauen bei vielen Veranstaltungen ausgeschlossen. Als Abhilfe dienen Stammtische und öffentliche Windeltreffen, die von Privatpersonen organisiert werden, die die Möglichkeit bieten, sich real kennenzulernen. Obwohl Frauen zugelassen sind, trifft man nur sehr selten welche an. Auch wenn sich die junge Windelszene von Jahr zu Jahr wandelt, prägen vor allem Community und Online-Shops die Szene. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn in Zukunft immer mehr Fetischlokale spezielle Abende für Windelliebhaber und Erwachsenen Babys anbieten würden. Ein kleiner Lichtblick wäre natürlich, wenn zumindest große Erotikladen Artikel wie Magazine, Bücher und Filme anbieten würden.