Männer gehen lieber in den Baumarkt als zum Urologen

Inkontinenz ist eine Volkskrankheit, die auch Männer in ihren sogenannten „besten Jahren“ trifft. Der Leidensdruck ist hoch. „Betroffene scheuen sich vor längeren Reisen oder sitzen im Kino immer außen. Sie richten ihr Leben zwangsweise nach der nächsten Toilette aus“, sagt Urologin Dr. Ricarda M. Bauer vom Klinikum der Universität München – Großhadern. Dabei ist professionelle Hilfe sehr gut möglich. „Aber es gibt viele Männer die anstatt zum Arzt lieber in den Baumarkt gehen.“

Was zum Internationalen Männertag wie ein schlechter Scherz klingt, ist traurige Realität. „Männer sind – auch was diese Krankheit angeht – äußerst erfinderisch.“ Diese Erfahrung macht die Oberärztin und Privatdozentin oft. Sie berichtet von Kabelbindern aus dem Baumarkt oder den Binden der Frau, die das Problem kaschieren sollen. „Noch mit Küchenrolle obendrauf.“ Dabei ist in bis zu 80 Prozent der Fälle Linderung möglich, die Hälfte der Patienten kann sogar geheilt werden. „Wenn die betroffenen Männer endlich einen Spezialisten aufsuchen würden.“

Es ist vor allem die sogenannte Dranginkontinenz, die manchen Männern ab 50 zu schaffen macht. Auch Männer – ob Manager oder Arbeiter – die ansonsten kerngesund mitten im Leben stehen. „Alles ist gut. Aber zwei Sekunden später müssen sie plötzlich und ganz schnell auf die Toilette.“ Dr. Ricarda M. Bauer, die sich auch in der Deutschen Kontinenz Gesellschaft engagiert, appelliert eindringlich: „Mit Inkontinenz muss sich grundsätzlich niemand abfinden. Ein guter Arzt kann helfen!“ Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft bietet rund 1.300 zertifizierte Beratungsstellen und 80 Beckenbodenzentren. Im Schnitt informiert sich alle zwei Minuten jemand auf der Webseite – und findet professionelle Hilfe in seiner Nähe. Dr. Ricarda M. Bauer: „Es geht um Lebensqualität statt Leidensdruck. Also um sehr, sehr viel.“